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Im Gegensatz zu den Impressionisten (vgl. Claude Monet und Giuseppe De Nittis), welche die Avantgarde der zweiten Jahrhunderthälfte repräsentieren, kann man Jean-Léon Gérôme (1824-1904) einen aufgeschlossenen Traditionalisten nennen. Er wurde ab 1840 im Atelier von Paul Delaroche und Charles Gleyre ausgebildet und errang ab 1847, als er das Bild „Junge Griechen beim Hahnenkampf“ am Pariser Salon ausstellte, internationale Anerkennung. Als Erneuerer des Historienbildes und bewusster Nutzer der Fotografie zur Vorbereitung aber auch Verbreitung seiner Gemälde gilt er seit den 1970er Jahren als wichtiger Exponent einer akademischen Malerei, in der die Detailtreue, die historische Korrektheit, die Spannung der Komposition und vor allem die Gefühlsäußerungen der beteiligten Personen wichtige Kriterien darstellten.
Anonym, Gérôme en tablier de sculpteur assis à côté du plâtre des Gladiateurs, um 1890, Albumindruck, 25,7 x 21 cm, Paris, Bibliothèque nationale de France © Bibliothèque nationale de France.
Jean-Léon Gérôme, Junge Griechen lassen Hähne kämpfen (Hahnenkampf), 1846, Huile sur toile, 143 x 204 cm, Paris, Musée d'Orsay © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski.
Jean-Léon Gérôme, Pollice Verso, 1872, 97,5 x 146,7 cm, Phoenix Art Museum © Phoenix Art Museum.
Jean-Léon Gérôme, Ansicht der Ebene von Theben, Nantes, musée des Beaux-Arts © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski.
Jean-Léon Gérôme, Das Ende der Sitzung, 1886, 49 x 40,64 cm, Santa Ana, Privatsammlung © Frankel Family Trust.
Jean-Léon Gérôme, Corinthe, vor 1903, 47,5 x 33 x 30 cm, Paris, Musée d'Orsay © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski.Im Orient
1855 bis 1856 bereiste Jean-Léon Gérôme gemeinsam mit dem Fotografen Auguste Bartholdi das östliche Mittelmeer, um im Auftrag des Staates die wichtigsten Monumente und „Beispiele der Rassen“ aufzunehmen. In der Folge schuf Gérôme eine Vielzahl von orientalischen Erzählungen wie Straßenszenen, Einblicke in Badehäuser, nackte Sklavinnen am Markt und dergleichen, für die er auch Fotografien als Vorlagen und Erinnerungsstützen verwendete. Erneut historisch arbeitete Gérôme an den Bildern aus der römischen Antike, die das Sterben der Gladiatoren und der Christen unter Nero im Kolosseum zum Inhalt haben.
In den 1880er Jahren wandte sich Gérôme der bunten Marmor- und Bronzeskulptur zu und thematisierte diese auch in seinen Gemälden. Das Geschehen im Atelier, der Vergleich zwischen Modell und auszuführender Statue (in Fotografie und Malerei), der Pygmalion-Mythos, die Farbigkeit der antiken Statuen, welche der Skulptur erst Leben einhaucht, wurden auch zu wichtigen Sujets des alternden Malers. So zeigt er sich die Werkzeuge reinigend, während eine nackte Schönheit eine noch unvollendete Statue der Omphale verhüllt. Als Gérôme 1904 im Alter von 80 Jahren in Paris verstarb, ließ die Familie ein Bildnis des Maler-Bildhauers neben seine bronzene Gladiatoren-Gruppe anbringen. Ein würdiges Monument für diesen romantischen Erzähler, das heute die Besucher vor der Ausstellung bereits auf das zu Erwartende einstimmt. Im Sinne der alten Römer: Daumen hoch!