Jean-Léon Gérôme, Junge Griechen lassen Hähne kämpfen (Hahnenkampf), 1846, Huile sur toile, 143 x 204 cm, Paris, Musée d'Orsay © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski.
NEWS
  • 1.10.2014 Wien, AZW, 19:00 Eröffnung „Gaudí. Eine zukunftsweisende Architektur"
    (2.10.-2.11.2014)
  • 2.10.2014 Klosterneuburg, Essl, 19:00 Eröffnung „die zukunft der malerei. eine perspektive"
    (3.10.2014-8.2.2015)
  • 1.-31.10.2014 Wiener Secession, Ausschreibung „gerhard und Birgit Moser-Preis für Gegenwartskunst, Secession Wien"
    (Verleihung 19.1.2015)
  • 3.10.2014 Wien, mumok, 19:00 Ausstellungseröffnung „COSIMA VON BONIN. HIPPIES USE SIDE DOOR. DAS JAHR 2014 HAT EIN RAD AB"
    (4.10.2014-18.1.2015)
  • 30.9.2014 Wien, Kunsthalle, 19:00 Ausstellungseröffnung „Blue Times"
    (1.10.2014-11.1.2015)
  • 9.10.2014 Zürich, Kunsthaus, 19:00 Ausstellungseröffnung „Egon Schiele - Jenny Saville"
    (10.10.2014-25.1.2015)
  • 10.10.2014 Wien, Unteres Belvedere, 19:00 Ausstellungseröffnung „Hagenbund. Ein europäisches Netzwerk (1900-1938)"
    (11.10.2014-1.2.2015)

Im Gegensatz zu den Impressionisten (vgl. Claude Monet und Giuseppe De Nittis), welche die Avantgarde der zweiten Jahrhunderthälfte repräsentieren, kann man Jean-Léon Gérôme (1824-1904) einen aufgeschlossenen Traditionalisten nennen. Er wurde ab 1840 im Atelier von Paul Delaroche und Charles Gleyre ausgebildet und errang ab 1847, als er das Bild „Junge Griechen beim Hahnenkampf“ am Pariser Salon ausstellte, internationale Anerkennung. Als Erneuerer des Historienbildes und bewusster Nutzer der Fotografie zur Vorbereitung aber auch Verbreitung seiner Gemälde gilt er seit den 1970er Jahren als wichtiger Exponent einer akademischen Malerei, in der die Detailtreue, die historische Korrektheit, die Spannung der Komposition und vor allem die Gefühlsäußerungen der beteiligten Personen wichtige Kriterien darstellten.

Anonym, Gérôme en tablier de sculpteur assis à côté du plâtre des Gladiateurs, um 1890, Albumindruck, 25,7 x 21 cm, Paris, Bibliothèque nationale de France © Bibliothèque nationale de France. Anonym, Gérôme en tablier de sculpteur assis à côté du plâtre des Gladiateurs, um 1890, Albumindruck, 25,7 x 21 cm, Paris, Bibliothèque nationale de France © Bibliothèque nationale de France.

Jean-Léon Gérôme, Junge Griechen lassen Hähne kämpfen (Hahnenkampf), 1846, Huile sur toile, 143 x 204 cm, Paris, Musée d'Orsay © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski. Jean-Léon Gérôme, Junge Griechen lassen Hähne kämpfen (Hahnenkampf), 1846, Huile sur toile, 143 x 204 cm, Paris, Musée d'Orsay © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski.

Jean-Léon Gérôme, Pollice Verso, 1872, 97,5 x 146,7 cm, Phoenix Art Museum © Phoenix Art Museum. Jean-Léon Gérôme, Pollice Verso, 1872, 97,5 x 146,7 cm, Phoenix Art Museum © Phoenix Art Museum.

Jean-Léon Gérôme, Ansicht der Ebene von Theben, Nantes, musée des Beaux-Arts © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski. Jean-Léon Gérôme, Ansicht der Ebene von Theben, Nantes, musée des Beaux-Arts © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski.

Jean-Léon Gérôme, Das Ende der Sitzung, 1886, 49 x 40,64 cm, Santa Ana, Privatsammlung © Frankel Family Trust. Jean-Léon Gérôme, Das Ende der Sitzung, 1886, 49 x 40,64 cm, Santa Ana, Privatsammlung © Frankel Family Trust.

Jean-Léon Gérôme, Corinthe, vor 1903, 47,5 x 33 x 30 cm, Paris, Musée d'Orsay © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski. Jean-Léon Gérôme, Corinthe, vor 1903, 47,5 x 33 x 30 cm, Paris, Musée d'Orsay © RMN (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski.

In der Nachfolge von Jacques-Louis David, dessen Gemälde von Tugenden handeln und der für die Historienmalerei moralische und didaktische Ziele definierte, hatte bereits Delaroche das Genrehafte der historisch wichtigen Szenen hervorgestrichen. Gérôme ging noch einen Schritt weiter, als er mit dem Bild seiner jungen Griechen ein alltäglich-banales Thema in der Antike spielen lässt. Während Gérôme beim ständig wachsenden Publikum des Salons hoch im Kurs stand, fanden die Kritiker keine guten Worte zur dieser Kombination von banalen Szenen und der Tradition des Historienbildes. Zu sehr verstießen die Erzählungen gegen die akademischen Regeln der Historienmalerei. Das beinhaltete auch, dass Gérômes Figuren oftmals als zu nackt (und nicht nur nicht angezogen) empfunden wurden, sie gegen die Etikette verstießen. Sogar Charles Baudelaire akzeptierte so manches Werk Gérômes nicht als Kunst, sondern unterstellte ihm, ein kalkuliertes, modisches Produkt herzustellen, während Edgar Degas den Maler sogar als Pornografen beschimpfte.

Im Orient
1855 bis 1856 bereiste Jean-Léon Gérôme gemeinsam mit dem Fotografen Auguste Bartholdi das östliche Mittelmeer, um im Auftrag des Staates die wichtigsten Monumente und „Beispiele der Rassen“ aufzunehmen. In der Folge schuf Gérôme eine Vielzahl von orientalischen Erzählungen wie Straßenszenen, Einblicke in Badehäuser, nackte Sklavinnen am Markt und dergleichen, für die er auch Fotografien als Vorlagen und Erinnerungsstützen verwendete. Erneut historisch arbeitete Gérôme an den Bildern aus der römischen Antike, die das Sterben der Gladiatoren und der Christen unter Nero im Kolosseum zum Inhalt haben.

Gérôme als Bildhauer
In den 1880er Jahren wandte sich Gérôme der bunten Marmor- und Bronzeskulptur zu und thematisierte diese auch in seinen Gemälden. Das Geschehen im Atelier, der Vergleich zwischen Modell und auszuführender Statue (in Fotografie und Malerei), der Pygmalion-Mythos, die Farbigkeit der antiken Statuen, welche der Skulptur erst Leben einhaucht, wurden auch zu wichtigen Sujets des alternden Malers. So zeigt er sich die Werkzeuge reinigend, während eine nackte Schönheit eine noch unvollendete Statue der Omphale verhüllt. Als Gérôme 1904 im Alter von 80 Jahren in Paris verstarb, ließ die Familie ein Bildnis des Maler-Bildhauers neben seine bronzene Gladiatoren-Gruppe anbringen. Ein würdiges Monument für diesen romantischen Erzähler, das heute die Besucher vor der Ausstellung bereits auf das zu Erwartende einstimmt. Im Sinne der alten Römer: Daumen hoch!