Millais, Ophelia, quer
NEWS
  • 2016 Zürich, Manifesta 11 Christian Jankowski - Karator der kommenden Manifesta in Zürich
  • 2.10.2014 Klosterneuburg, Essl, 19:00 Eröffnung „die zukunft der malerei. eine perspektive"
    (3.10.2014-8.2.2015)
  • 1.-31.10.2014 Wiener Secession, Ausschreibung „gerhard und Birgit Moser-Preis für Gegenwartskunst, Secession Wien"
    (Verleihung 19.1.2015)
  • 3.10.2014 Wien, mumok, 19:00 Ausstellungseröffnung „COSIMA VON BONIN. HIPPIES USE SIDE DOOR. DAS JAHR 2014 HAT EIN RAD AB"
    (4.10.2014-18.1.2015)
  • 30.9.2014 Wien, Kunsthalle, 19:00 Ausstellungseröffnung „Blue Times"
    (1.10.2014-11.1.2015)
  • 9.10.2014 Zürich, Kunsthaus, 19:00 Ausstellungseröffnung „Egon Schiele - Jenny Saville"
    (10.10.2014-25.1.2015)
  • 10.10.2014 Wien, Unteres Belvedere, 19:00 Ausstellungseröffnung „Hagenbund. Ein europäisches Netzwerk (1900-1938)"
    (11.10.2014-1.2.2015)

William Holman Hunt, The Awakening Conscience, 1853-1854, oil on canvas, 76.2 x 55.9 cm (30 x 22 in.)framed: 106 x 85.7 x 9.7 cm (41 3/4 x 33 3/4 x 3 13/16 in.), Tate. Presented by Sir Colin and Lady Anderson through the Friends of the Tate Gallery 1976 William Holman Hunt, The Awakening Conscience, 1853-1854, oil on canvas, 76.2 x 55.9 cm (30 x 22 in.) framed: 106 x 85.7 x 9.7 cm (41 3/4 x 33 3/4 x 3 13/16 in.), Tate. Presented by Sir Colin and Lady Anderson through the Friends of the Tate Gallery 1976

Pre-Raphaelites. Victorian Avant-Garde

London
Tate Britain
12.9.2012–13.1.2013

Washington
National Gallery
17.2.–19.5.2013

Moskau
State Pushkin Museum of Fine Arts
10.6.–30.9.2013

Unter dem Titel „Pre-Raphaelites. Victorian Avant-Garde“ zeigt die National Gallery in Washington die zweite Station der in London für die Tate Britain zusammengestellte Schau über die „Avantgarde des viktorianischen Zeitalters“. Obwohl die Bruderschaft der Präraffaeliten (Pre-Raphaelite Brotherhood) nur fünf Jahre bestand, war sie die einflussreichste Künstlervereinigung Großbritanniens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihre Mitglieder hinterfragten den Kanon der akademischen Tradition und schufen Bilder einer mythischen Vergangenheit, tief empfundener Religiosität und von verführerischen Schönheiten. Den Kuratoren gelingt es für diese Wanderausstellung alle wichtigen Bilder aus englischen Sammlungen zu vereinen und im Katalog die wichtigsten Forschungsansätze der letzten 20 Jahre konzise zusammenzufassen!

Ford Madox Brown, An English Autumn Afternoon, Hampstead – Scenery in 1853, 1854, oil on canvas, overall (oval): 71.8 x 134.6 cm (28 1/4 x 53 in.) framed: 110.5 x 173.5 x 12 cm (43 1/2 x 68 5/16 x 4 3/4 in.), Birmingham Museums and Art Gallery, Presented by the Public Picture Gallery Fund, 1916

Die Präraffaeliten. Eine Avantgarde-Bewegung?

Die Präraffaeliten als Avantgarde[1] zu beschreiben, scheint auf dem ersten Blick ein genauso erstaunlicher wie auf dem zweiten Blick logischer Schritt zu sein. In London im September 1848 von sieben jungen Männern als Gegenpol zur Royal Academy gegründet, wurden ihre Werke anfangs heftigst angegriffen und ab den 1860ern kopiert. Die führenden Mitglieder waren die jungen Maler John Everett Millais (1829–1896), Dante Gabriel Rossetti (1828–1882) und William Holman Hunt (1827–1910), sowie ihr ein wenig älterer Freund und Mentor Ford Madox Brown (1821–1893). Letzterer trat zwar der Gruppierung nie formal bei, aber teilte viele ihrer Ziele und war mit den Nazarenern bekannt. Ihre Mitglieder arbeiteten in so unterschiedlichen Medien wie Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie und angewandter Kunst, aber auch Literatur und politischer Theorie und sollten damit den Grundstein für die britische Arts and Crafts-Bewegung legen. In ihren Arbeiten reagierten die Präraffaeliten darüber hinaus auf die radikalen sozialen, technischen und ökonomischen Veränderungen ihrer Zeit. Sie einte die Zurückweisung der Konventionen und die Suche nach dem Ursprung von künstlerischen, und manchmal auch sozialen und politischen Problemen. So wurden dann auch erst die beiden „Kinder“ der Prae-Raphaelite Brotherhood, die Aesthetic movement der 1860er Jahre und die internationale Arts and Crafts-Bewegung am Ende des 19. Jahrhunderts, die Forderung nach Wandel einlösen versuchen.

John Everett Millais, Christ in the House of His Parents (The Carpenter's Shop), 1849-1850, oil on canvas, 86.4 x 139.7 cm (34 x 55 in.) framed: 159 x 187.3 x 141 cm (62 5/8 x 73 3/4 x 55 1/2 in.), Tate. Purchased with assistance from the Art Fund and various subscribers 1921

„Wahrheit“ und Realismus gehen Hand in Hand

Die durchgreifende Industrialisierung und zunehmende Verstädterung in England sollte das Königreich bereits Mitte des 19. Jahrhundert zu einem Ausgangspunkt sozial-reformerischer Ideen werden lassen. Theoretiker und Architekten wie Augustus Welby Northmore Pugin und John Ruskin glaubten, in mittelalterlichen Gebäuden die Reminiszenzen von „ehrlichen Arbeitern“ zu finden, während die aktuellen Arbeitsbedingungen für Ruskin „Sklaverei“ bedeuten würden. So war es wohl eine glückliche Fügung, dass in den 1840ern einige wichtige Werke der altniederländischen und italienischen Malerei vor Raffael (1483–1520) Eingang in die National Gallery fanden: 1842 die „Arnolfini-Hochzeit“ von Jan van Eyck (1434) und 1848 der „San Benedetto-Altar“ von Lorenzo Monaco (1407-1409). Vor allem in der Werkstatt-Praxis der Frührenaissance fanden die Präraffaeliten – wie auch vor ihnen bereits die Nazarener – jenes Vorbild, dem es nachzueifern galt. Der historische Bezug sollte dabei nicht in ein „l`art pour l`art“-Haltung münden, sondern die aktuelle Gesellschaft verändern helfen. Stilistisch lassen sich die Werke der 1850er daher einerseits mit der Kunst des beginnenden 15. Jahrhunderts in Verbindung bringen: Stark leuchtende, reine aber transparente Farbschichten über einer zinkweiß grundierten Leinwand,[2] klar konturierte Figuren, ein Minimum an Faktur, die Schilderung vieler Details und das Konstruieren von Schachtelräumen zählen zu den wichtigen, die barocke, malerische Tradition der Royal Academy ablehnenden Stilkriterien.

Hier geht es zu den nächsten Teilen:

Teil 2: Die Präraffaeliten und die Natur – Das Ende der Bruderschaft der Präraffaeliten

Teil 3: Vom „British Aesthetic movement“ zur „Arts and Crafts“-Bewegung – Die „Schwesternschaft“ der Präraffaelitinnen – „Präraffaelitismus“ heute?

Teil 4: Die Präraffaeliten am Ausstellungs- und Kunstmarkt – „Pre-Raphaelites. Victorian Avant-Garde“ in Washington 2013



[1] Im begleitenden Katalog definieren Tim Barringer und Jason Rosenfeld Avantgarde wie folgt: „The term ‘avant-garde’ describes an organised grouping with a self-conscious, radical, collective project of overturning current orthodoxies in art and replacing them with new, critical practic­es often directly engaged with the contemporary world.“, in: Tim Barringer, Jason Rosenfeld, Alison Smith: Pre-Raphaelites. Victorian Avant-Garde (Ausst.-Kat. London, Tate Britain, 12.9.2012–13.1.2013; Washington, National Gallery 17.2.–19.5.2013, Moskau, State Pushkin Museum of Fine Arts, 10.6.–30.9.2013), London 2012, S. 9.

[2] Für weiterführende Informationen zur Maltechnik und ihre zeitgenössische Diskussion wie auch die Nähe ihrer Maltechnik zum Aquarell bzw. zur Miniaturmalerei siehe Alison Smith, Medium and Method in Prepraphaelite Painting im Ausstellungskatalog, S. 18-23.