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Drei Ausstellungen im Herzen von Paris beleuchten noch bis Jänner 2011 die französische Malerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Claude Monet (1840-1926) ist eine Sensationsausstellung gewidmet, die dem Vernehmen nach bereits ausverkauft ist, Giuseppe De Nittis (1846–1884) war einer der einflussreichsten italienischen Maler im Paris der Impressionisten, und Jean-Léon Gérôme (1824-1904) wurde in den letzten Jahren als ideenreicher Historienmaler und Schöpfer vielfarbiger Skulpturen wiederentdeckt.
Claude Monet, Les Coquelicots à Argenteuil, 1873, huile sur toile, 50 x 65,3 cm, Musée d'Orsay, Paris © service presse Rmn / Hervé Lewandowski.
Claude Monet, Le Port du Havre, effet de nuit, 1873, huile sur toile, 60 x 81 cm, Collection particulière © droits réservés.
Claude Monet, La gare Saint-Lazare à l’extérieur (le signal), 1877, huile sur toile, 65 x 81,5 cm, Niedersächsisches Landesmuseum, Hanovre © Niedersächsisches Landesmuseum, Hannover.Dem in sechzig Jahren entwickelten Lebenswerk von Claude Monet wird im Herbst/Winter 2010/2011 im Grand Palais in einer chronologisch aufgebauten Ausstellung Tribut gezollt. Von frühen Landschaften aus dem Wald von Fontainebleau hin zu den berühmten Seerosenbildern der späten Zeit in Giverny entwickelt sich die Ausstellung entlang von Monets beliebten Reiseziele wie der Normandie, Argenteuil, Vétheuil und dem Mittelmeer. Weiters führen die Kuratoren Motive wie das Porträt, die Stillleben, die Fassade der Kathedrale von Rouen, das Parlament von London, die Pappeln oder die Heuhaufen zusammen.
Monet - der Prototyp des impressionistischen Landschaftsmalers
Bereits aus dieser Aufzählung wird deutlich, dass Claude Monet dem Landschaftsbild absolute Vorrangstellung einräumte. Bereits seine frühesten Gemälde zeigen den Wald von Fontainebleau in der Nachfolge Courbets und Seestücke in Le Havre, wo er Boudin und Jongkind kennenlernte und von ihnen erste Unterweisungen im Ölmalen erhielt. Bereits Ende der 1860er Jahre entwickelte Monet mit seinen Freunden Bazille, Sisley und Renoir jene Malweise, die ab 1874 als Impressionismus in den Kunstkanon eingehen sollte. Feinmalerei wurde durch den impressionistischen Strich ersetzt, die Farben direkt aus der Tube, unvermischt auf die Leinwand aufgetragen und Licht-Effekte gesucht (z.B. „Der Hafen von Le Havre, Effekt bei Nacht“).
Der Maler des modernen Lebens
Gleichzeitig begann sich Monet, auch für das moderne Leben, die Veränderungen in Paris durch Baron Haussmann, den Bahnhof Gare Saint-Lazare mit seinen dampfenden Lokomotiven, Freizeitverhalten von Städtern und Fabrikschlote zu interessieren, wie v.a. in den in Paris und Argenteuil zwischen 1871 und 1878 entstandenen Bildern zu sehen ist. 1880 bekam Monet, vierzigjährig, seine erste Einzelausstellung, bereits 1871 hatte er mit Paul Durand-Ruel (1831-1922) seinen wichtigsten Kunsthändler gewinnen können. Der wachsende finanzielle Erfolg in den 1880er Jahren, den er hauptsächlich den amerikanischen Sammlern verdankte, ermöglichte dem ständig reisenden Künstler 1890 ein Stück Land in Giverny zu erwerben, das er mit Hilfe von fünf Gärtnern fünf Jahre lang zu seinem persönlichen Paradies umformte. Hier sollten im Lauf von 30 Jahren, Monet starb 1926, die berühmten Bilder von Seerosen, der Japanischen Brücke, den Glyzinien entstehen, in denen er sich genauso wie in den Venedig- und London-Ansichten der Jahrhundertwende über den Impressionismus hinwegsetzte und zu einem Bezugspunkt für die Maler der Abstraktion nach dem Zweiten Weltkrieg werden konnte.
Monet im Grand Palais
„Monet“ ist eine umfangreiche Ausstellung, die der Beschäftigung des Künstlers mit der Landschaft gewidmet ist. Der einzige Künstlervergleich mit Roy Lichtensteins Aneignung von Monets Bildern der Fassade der Kathedrale von Rouen erstaunt daher umso mehr. Die chronologische Hängung, durch wenige Themenblöcke durchbrochen, zeigt die stetige Entwicklung, ohne dass man Werke der anderen Impressionisten vermissen würde. Die Schau lebt eindeutig von der Qualität der 176 Gemälde, der Leuchtkraft ihrer Farben, den geschickten Kompositionen Monets und lässt kaum eine fantasievollere kuratorische Fragestellung vermissen.