Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne im Nebel, Detail, 1903, Öl auf Leinwand, 73,7 x 100,3 cm, Erworben 1914 © National Gallery of Canada, Ottawa
NEWS
  • 2016 Zürich, Manifesta 11 Christian Jankowski - Karator der kommenden Manifesta in Zürich
  • 2.10.2014 Klosterneuburg, Essl, 19:00 Eröffnung „die zukunft der malerei. eine perspektive"
    (3.10.2014-8.2.2015)
  • 1.-31.10.2014 Wiener Secession, Ausschreibung „gerhard und Birgit Moser-Preis für Gegenwartskunst, Secession Wien"
    (Verleihung 19.1.2015)
  • 3.10.2014 Wien, mumok, 19:00 Ausstellungseröffnung „COSIMA VON BONIN. HIPPIES USE SIDE DOOR. DAS JAHR 2014 HAT EIN RAD AB"
    (4.10.2014-18.1.2015)
  • 30.9.2014 Wien, Kunsthalle, 19:00 Ausstellungseröffnung „Blue Times"
    (1.10.2014-11.1.2015)
  • 9.10.2014 Zürich, Kunsthaus, 19:00 Ausstellungseröffnung „Egon Schiele - Jenny Saville"
    (10.10.2014-25.1.2015)
  • 10.10.2014 Wien, Unteres Belvedere, 19:00 Ausstellungseröffnung „Hagenbund. Ein europäisches Netzwerk (1900-1938)"
    (11.10.2014-1.2.2015)

Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne im Nebel, 1903, Öl auf Leinwand, 73,7 x 100,3 cm, Erworben 1914 © National Gallery of Canada, Ottawa Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne im Nebel, 1903, Öl auf Leinwand, 73,7 x 100,3 cm, Erworben 1914 © National Gallery of Canada, Ottawa

Im Lichte Monets

Österreichische Künstler und das Werk des großen Impressionisten

Österreich
Wien
Belvedere
Orangerie
24.10.2014-8.2.2015

Die schönste Umweltverschmutzung seit Menschengedenken
Dass Claude Monet (1840–1926) London, die Themse und die Waterloo Bridge in so wunderbares, dämmriges Violett tauchen konnte, verdankte er den rußenden Kohleöfen der Stadt. Schönwetter hingegen behagte dem Franzosen gar nicht. Stattdessen frohlockte er, wenn sich gegen Mittag die ersten Rauchschwaden über der Stadt zusammenballten und die Metropole in jenes geheimnisvolle Zwielicht hüllte, weswegen er gekommen war.

Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne, 1903, Öl auf Leinwand, 65,1 x 100 cm © McMaster Museum of Art, Hamilton, Schenkung Herman H. Levy, Esq., OBE, 1984

Theodor von Hörmann, Paris bei Nacht mit Eiffelturm, 1889, Öl auf Leinwand, 45,5 x 55 cm © Belvedere, Wien

Gustav Klimt, Attersee, 1900, Öl auf Leinwand, 80,2 x 80,2 cm © Leopold Museum, Wien

Franz Jaschke, An der Donaulände, 1903, Öl auf Leinwand, 87,5 x 113 cm © Belvedere, Wien

Claude Monet, Weg in Monets Garten in Giverny, 1902, Öl auf Leinwand, 89,5 x 92,3 cm © Belvedere, Wien

Olga Wisinger-Florian, Pergola bei Mentone, um 1900, Öl auf Karton, 51,5 x 72,8 cm © Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum Foto: © UMJ, N. Lackner

Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne im Nebel, 1903, Öl auf Leinwand, 73,7 x 100,3 cm, Erworben 1914 © National Gallery of Canada, Ottawa

Stephan Koja untersucht in der Orangerie des Belvedere aber nicht die meteorologischen Zusammenhänge der London-Bilder, sondern die Rezeption, also die Aufnahme, Monet’scher Kompositionen in Wien. Im Katalog werden all jene Werke akribisch aufgelistet, die auf der Wiener Weltausstellung (1873), im Künstlerhaus (1898), in der Secession (1903, 1925) und den Galerien Miethke (1910, 1912, 1913) und Arnot (1911, 1912) zu sehen gewesen sind. In die Wiener Ausstellung konnte er doch einige schöne Gemälde, allen voran eines der Bilder aus der Serie zur Kathedrale von Rouen holen: Kathedrale von Rouen in der Sonne (1893, Museum of Fine Arts, Boston, Massachusetts)

Reisen nach Paris ergänzten den Wissensdurst heimischer Künstler_innen seit den „Stimmungsimpressionist_innen“ (auch: Stimmungsrealist_innen).

Von Olga Wiesinger-Florian, Theodor von Hörman, Gustav Klimt bis zu den Spätimpressionisten Rudolf Junk und Franz Jaschke, sowie Herbert Boeckl und Max Weiler bringt Koja die Größen heimischer Kunstproduzent_innen und wenig bekannten Künstler zusammen. Neben der Malerei sind auch frühe Wiener Kunstfotografen wie der bekannte Heinrich Kühn vertreten. Die Nachfolger Monets vereint ihre offensichtliche Auseinandersetzung mit der neuen französischen Landschaftsmalerei, ihren frischen Farben, dem Farbauftrag, den Bildmotiven und Bildausschnitten, dem Arbeiten in Serien.

Die „Stimmungsimpressionisten“ rund um Emil Jakob-Schindler erneuerten die Landschaftsmalerei Österreichs, indem sie von Monets Bildausschnitten lernten und seine fleckenartige Malweise zu schätzen wussten. Eugen Jettel und Rudolf Ribarz lebten jahrelang in Frankreich und studierten die Werke Monets (aber auch der Schule von Barbizon, Gustave Courbet) in Paris. Theodor von Hörmann, für manche der einzige echte Impressionist der österreichischen Kunstgeschichte, lernte ebenfalls in Paris zu malen und wagte sich an atmosphärische Nachtansichten vor. Als unermüdlicher Kämpfer für die Freiheit der Kunst (vor allem der Künstler) wurde der 1895 verstorbene Künstler zu einem Leitstern der jungen Secession, die 1897 gegründet wurde.

Diese frühe Rezeption ist u. a. durch eine Serie von kleinformatigen Ölskizzen oben genannter Künstler_innen belegt. Der durchaus eng bemessene Raum - sowohl für Bilder wie auch die Besucher_innen - ist in Themengruppen und Kojen gegliedert. Auf Seestücke folgen moderne, von Eisenbahntrassen durchzogene Landschaften mit Industrieanlagen in der Ferne, Mohnfelder und Gärten. Hier fallen Carl Molls „Flusslandschaft“ (ca. 1900, Österreichischer Privatbesitz) und Theodor von Hörmanns Das große Esparsettenfeld in Znaim IV (1893, Belvedere, Wien) besonders auf. Auch Emilie Mediz-Pelikans
„Die Blaue Küste von Duino“ (1898, Privatbesitz) ist ein faszinierendes Bild einer außergewöhnlichen Malerin. Ob es seinen radikalen Bildausschnitt wirklich einzig der Kompositionen Monets verdankt?

Immer wieder ist den österreichischen Künstler_innen Monet zugeordnet. Die Nähe mancher Werke ist frappant, an anderen Stellen waren wohl auch Spätimpressionismus, Pointillismus und Jugendstil für die stilistischen Ausprägungen verantwortlich. Einige Arbeiten, wie jene von Franz Jaschke sind stilistisch eindeutig dem Pointillismus geschuldet, durch seine Arbeit in Serie jedoch genetisch mit Monets Streben nach seriellem Malen verwandt.

Gustav Klimt ist mit dem ikonischen Landschaftsbild „Am Attersee“ (1900, Leopold Museum, Wien) vertreten, indem die Rezeption von Monets „Seerosen“ auch über die Wahl der Farbe Türkis sichtbar wird. Die dichte Hängung macht jedoch aus diesem wichtigen Werk nahezu eine Postkarte, ist es doch zwischen einem Seestück von Monet und Claude Monets „Mohnblumenfeld bei Giverny“ (1885, Museum of Fine Arts, Boston, Massachusetts) wird ebenfalls Klimts Blühendem Mohn (1907, Belvedere, Wien) zur Seite gestellt. Hier wird die Eigenständigkeit Klimts und seine ornamentale Verarbeitung des Motivs besonders deutlich.

Den späten Impressionismus, fast schon Pointillismus nahmen Rudolf Junk und Franz Jaschke auf. Während Junk vor allem als Druckgrafiker und Mitglied des Hagenbundes bekannt wurde, ist Jaschke bislang nur in der Ausstellung „Wien-Berlin“ aufgefallen. Dass Monet auch für die Entwicklung der abstrakten Kunst von großer Bedeutung ist, wird bereits seit Jahren diskutiert. Nun stellt Koja den späten, riesigen Leinwänden des Franzosen Werke von Herbert Boeckl und Max Weiler gegenüber. Boeckls Erzberg-Serie und Weilers Vier Wände schließen die Schau mit Werken der Nachkriegszeit ab. Bei Weiler glaubt man sich schon im Kosmos, Farben, Formen und Flecken lösen sich von Tafel zu Tafel in Unschärfe und Nebel auf.

Beteiligte Künstler_innen:
Claude Monet, Tina Blau, Herbert Boeckl, Marie Egner, Theodor von Hörmann, Franz Jaschke, Eugen Jettel, Ludwig Heinrich Jungnickel, Rudolf Junk, Gustav Klimt, Johann Victor Krämer, Heinrich Kühn, Emilie Mediz-Pelikan, Carl Moll, Rudolf Quittner, Rudolf Ribarz, Emil Jakob Schindler, Max Suppantschitsch, Max Weiler, Olga Wisinger- Florian, Alfred Zoff